Film

In dieser Lerneinheit beschäftigst du dich mit den Eigenheiten des Mediums «Film»: Welche Genres werden unterschieden? Welche Gestaltungsmittel hat man zur Verfügung? Wie lässt sich Spannung erzeugen? Welchen Einfluss hat die Tonspur des Filmes? Wie geht man bei der Produktion eines Filmes vor?

Gattungen und Genres

Es gibt ganz verschiedene Arten von Filmen mit je eigenen Merkmale. So werden Dokumentarfilme, Spielfilme, Werbeclips usw. unterschieden. Im Bereich des Spielfilms gibt es wiederum viele verschiedene Genres wie Drama, Komödie, Action, Science Fiction, Horror usw.


Auftrag 1

Ordne in der folgenden Übung die kurzen Filmausschnitte dem richtigen Genre zu.

Zusatzauftrag:
Diskutiere mit Kolleg/innen, was die jeweiligen Merkmale waren, die euch bei der Zuordnung geholfen haben.
 


Auftrag 2

Stell euch vor, du solltest eine kurze Szene, in der eine Person durch den Schulhausgang geht, auf zwei verschiedene Arten drehen:

  1. Als Liebesfilm
  2. Als Horrorfilm
Notiere dir, welche Gestaltungsmittel du verwenden würdest.

Zusatzauftrag:
Setze diese Szene mit Klassenkamerad/innen um.




Gestaltung

Einstellungsgrössen

Würde eine Handlung immer nur in einer Übersicht gezeigt, könnten die Betrachter/innen wohl viele Informationen und Eindrücke gar nicht erfassen. Durch die Variation der Einstellungsgrössen hat man ganz andere erzählerische Möglichkeiten: So lässt sich beispielsweise durch die formatausfüllende Darstellung des Gesichts an der Mimik der Gefühlszustand der Figur ablesen, der von Weitem kaum wahrnehmbar wäre.
Der Einfachheit halber unterscheiden wir drei Einstellungsgrössen: 
  • Totale
  • Nahaufnahme
  • Grossaufnahme (auch Detail)
In der folgenden Übung findest du Beispiele und Hinweise über die deren Verwendung:


Auftrag

Die Einstiegsszene von «Spiel mir das Lied vom Tod» von Sergio Leone ist ideal geeignet um die verschiedenen Einstellungsgrössen kennen zu lernen. Die atmosphärischen Bilder der am einsamen Bahnhof auf ihr Opfer wartenden Männer sind eine fantastische Einstimmung in den opernhaft inszenierten Western.

Mache dir ein Raster für die drei zuvor vorgestellten Einstellungen (Totale, Nahaufnahme, Gross-/Detailaufnahme) und zähle sie beim betrachten des folgenden Filmausschnitts.






Kameraführung und Perspektive

Der Kamerastandpunkt hat einen grossen Einfluss auf die Wirkung: Wird vom Boden aus gefilmt (Froschperspektive) wirkt alles gross und mächtig – diese Perspektive wird beispielsweise verwenden, um einen Herrscher oder einen Gewalttäter mächtig erscheinen zu lassen. Durch den Blick nach unten, also die Vogelperspektive, wird eine Figur tendenziell eher verniedlicht (man sagt im Volksmund auch: «Von oben herab behandeln»).

Vogelperspektive
Vogelperspektive
 Froschperspektive  Vogelperspektive

Generell muss auf eine möglichst ruhige Kameraführung geachtet werden. Montiere deshalb die Kamera auf ein Stativ. Um eine Szene dynamischer wirken zu lassen und eine Bewegung im Raum nachvollziehbar zu machen wird oft ein Schwenk (fest montierte Kamera, die gedreht wird) oder eine Kamerafahrt (Kamera wird auf Rollen oder mit Kran bewegt, neuerdings auch mit Drohnen) verwendet. Die Kamerafahrt ist für Laien sehr anspruchsvoll, weil der Untergrund meist zu holprig ist. mit einer guten Bildstabilisierung wird aus einem langsam fahrenden Auto wahrscheinlich das beste Ergebnis erzeugt.

Auftrag

Dreht eine kurze Szene zwischen dem Klassenfiesling und einem seiner Opfer. Verwendet dabei einen Kameraschwenk (z.B. für die Begegnung) und verwendet je eine geeignete Perspektive für die Nahaufnahme des Dialogs.




Spannung

Damit ein Film oder eine Szene spannend wirkt braucht es nur bedingt die Darstellung von Gewalt, im Gegenteil. Die Spannung baut sich in der Vorstellung der betrachtenden Person auf, indem sie sich beispielsweise in die Situation der dargestellten Person hineinversetzt.
Anhand eines Ausschnitts aus «Das Schweigen der Lämmer» lässt sich sehr gut erkennen, mit welchen Mitteln sich Spannung erzeugen lässt.

«Das Schweigen der Lämmer» – Handlung
FBI-Schülerin Clarice Starling be ndet sich noch in der Ausbildung, als sie in einem besonders schwierigen Fall die Hauptrolle übernehmen muss. Die US-Bundespolizei ist auf der Jagd nach einem Serienmörder, der von den Boulevard-Blättern „Bu alo Bill“ getauft wurde. Dieser hat bereits mehrere junge Frauen brutal ermordet und ihnen Teile der Haut abgezogen. Außerdem wird die Tochter einer Senatorin vermisst, und da die Ermittler keinen Schritt weiterkommen, bittet Special Agent Jack Crawford Clarice Starling, Dr. Hannibal Lecter um Hilfe zu bitten. Er kann, da er Bu alo Bill alias Jame Gumb als seinen ehemaligen Patienten persönlich kennt, sich in die Gedanken des Täters hineinversetzen und seine nächsten Schritte erahnen... 

Erst gegen Ende des Films trifft Clarice auf den Serienmörder. Die Situation, in der sie durch den verwinkelten, stockfinsteren Keller tappt, immer beobachtet durch das Nachtsichtgerät des Killers, gehört zu den verstörendsten Szenen der Filmgeschichte. 

Auftrag

Betrachte den unten stehenden Filmausschnitt und notiere dir, mit welchen Mitteln die Spannung erzeugt wird.

Achtung, die Szene ist ausserordentlich brutal! Falls dir nicht wohl dabei ist beschränkst du dich auf den darauf folgenden Ausschnitt aus Hitchcocks «Psycho», einem Horror-Klassiker von 1960.




Atmosphäre

Casablanca ist ein Kultfilm, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Nordafrika spielt. Die untenstehende Schlussszene ist an Melancholie und Pathos wohl kaum zu überbieten. Rick und Ilsa waren früher ein paar. In dieser Szene opfert er sich, damit sie mit ihrem neuen Partner, einem Widerstandskämpfer gegen die Nazis, flüchten kann. Humphrey Bogart und Ingrid Bergman wurden durch den Film zu Ikonen.
Der Filmausschnitt beherbergt einige der berühmtesten Zitate:
«Ich seh dir in die Augen, Kleines!» («Here‘s looking at you, kid»)
«Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.» («I think this is the beginning of a beautiful friendship»)
Das bekannteste Zitat ist allerdings nicht in diesem Filmausschnitt enthalten: «Spiel‘s noch einmal, Sam!» («Play it once, Sam. For old times‘ sake.»)

Auftrag

Betrachte den Filmausschnitt und notiere dir, mit welchen Mitteln die dramatische Atmosphäre erzeugt wird.



Lichtführung
Die Lichtführung hat einen grossen Einfluss auf die Stimmung des Films, wie du in den folgenden Bildbeispielen siehst:
Krimilicht Horrorfilm Gegenlicht
 Seitenlicht  Krimi-Beleuchtung  Horror-Beleuchtung  Gegenlicht

Im Normalfall ist ein weiches Seitenlicht ideal, durch die Beleuchtung von unten wirkt ein Gesicht dagegen gespenstisch, während beim Gegenlicht nur die Silhouette erkannt wird, was geheimnisvoll wirkt.



Schnitt

Unter dem Filmschnitt versteht man die Aneinanderreihung der verschiedenen Clips zu einem Film. Mit einem Schnitt lassen sich Zeitsprünge in der Erzählung darstellen, er erlaubt dem Betrachter aber auch mehrere Perspektiven auf die Handlung und bestimmt den Rhythmus und das Tempo des Films.

Früher und heute

Im Laufe der Zeit wurden die Filme immer schneller geschnitten. Das heutige Publikum ist sich sehr schnelle Montagen gewöhnt und empfindet entsprechend ältere Filme als langsam, um nicht zu sagen langweilig. Das lässt sich sehr gut an zwei vergleichbaren Filmausschnitten beobachten, im folgenden Fall aus der James Bond Reihe.

Auftrag

In den untenstehenden beiden einminütigen Filmausschnitten aus den Jahren 1965 und 2008 wird je eine Autoverfolgungsjagd dargestellt. Zähle die Anzahl Schnitte. V.a. beim zweiten Beispiel braucht es sicher zwei Durchgänge. Vergleiche deine Ergebnisse mit deinen Klassenkameraden und berechnet je den Durchschnitt.

Goldfinger (1965)


Quantum Trost (2008)



Kreative Übergänge

Manchmal kann man einen Schnitt auch für einen kreativen Übergang von einer Szene zur nächsten verwenden, z.B. um einen Zeitsprung zu markieren. Wohl einer der bekanntesten Übergänge ist jener des Science Fiction Films «2001 A Space Odyssey» von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1968:

Im Fantasy-Film «Highlander» wurden ebenfalls solche Übergänge genutzt um die Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit darzustellen. Im folgenden Clip sind einige Beispiele zusammengestellt:

One-Shot

Ein Film, der ohne Schnitt auskommt wird One-Shot genannt. Ein solches Projekt braucht natürlich eine perfekte Vorbereitung. 

Hier ein paar Beispiele:






Vorgehen bei eigenen Filmprojekten

Ideen sammeln

  • Einigt euch auf ein Genre (Krimi, Liebesgeschichte, Komödie) und auf den Grundton des Films: Soll er beispielsweise realistisch wirken oder wird es eher eine schräge Parodie? Düster oder lustig?
  • Macht ein Brainstorming (z.B. mit einer Mindmap oder einer Online-Pinnwand) 
    • Notiert jede noch so absurde Idee
    • Filtert in einem zweiten Schritt Ideen heraus, die sich für euer Filmprojekt eignen könntet
    • Diskutiert, wie ihr diese Ideen zu einer Geschichte verbinden könnt

Plot: Geschichte entwerfen

Nun geht es darum, die Geschichte zu erzählen und damit zu Papier zu bringen: Von der Ausgangslage, über den Hauptteil bis zum Schluss gilt es einen überzeugenden Ablauf zu finden. Dabei sind vielleicht auch bereits Skizzen und allfällige Notizen zu Drehorten und Requisiten sinnvoll.

DrehbuchDrehbuch

Im Drehbuch wird der genau Ablauf geschildert und die Dialoge ausformuliert. Manchmal ist es hilfreich wenn man einzelne Szenen dabei schon mal trocken durchspielt: Funktioniert der Dialog? Wo würde man idealerweise die Kamera aufstellen?…

Storyboard

Im Storybord wird mit bildnerischen Mitteln (einfache Zeichnungen, evt. Fotos) jede einzelne Einstellung erfasst, damit sich das Team bei den Dreharbeiten nicht in endlose Diskussionen verstrickt. Die Kameraperson sollt dadurch eine genaue Vorstellung haben, wie sie die Kamera in jeder Szene zu führen hat, ausserdem sind auch schon Hinweise für den Schnitt vorhanden. 
Übrigens: Die wenigsten Filme werden von «vorne» nach «hinten» in der endgültigen Reihenfolge gedreht. Manchmal bestimmt der Drehort, die Tageszeit oder das Wetter den Drehablauf.
StoryboardStoryboard-Beispiel

Drehvorbereitungen

Nun geht es darum alles möglichst lückenlos vorzubereiten:
  • Verkleidungen und Requisiten sammeln
  • Drehorte suchen (allenfalls Bewilligung einholen)
  • technisches Material zusammenstellen (Kamera, Stativ, Beleuchtung, evt. externes Mikrofon)
  • Statisten organisieren

Tipps zu den Drehaufnahmen

  • Notiert die Kamera auf ein Stativ (in Ausnahmefällen kann eine handgeführte Kamera durchaus gewollt sein)
  • Achtet bei Dialogen darauf, dass die Figuren gut zu hören sind (Kamera nahe dran, Hintergrundgeräusche minimieren, evt. externes Mic verwenden)
  • Achtet auf Ausschnitt und die Beleuchtung: Heben sich die Figuren gut vom Hintergrund ab? Unterstützt das Licht die Aussage der Szene?
  • Achtet auf klare Rollenverteilung (Schauspieler, Regie, Kamera, …) und Kommunikation
    > Tipps
  • Nehmt bei jeder Einstellung vorher und nachher je 2–3 s mehr auf, damit ihr für den Schnitt genug Reserve habt.

Schnitt und Nachbearbeitung

Auf die Dreharbeiten folgt ein entscheidender Teil:
  • Schnitt, auf dem iPad idealerweise mit iMovie
  • Soundtrack Musik, Soundeffekte, Geräusche
  • Titel und Abspann

Musikvideos

Musikvideos haben mit den Jahren eine völlig eigene Filmsprache entwickelt. Jeder Musikstil und jede Epoche hat seine speziellen Gestaltungsmerkmale, um nicht zu sagen Klischees. Oft ist man allerdings so vom Inhalt und der Musik absorbiert, dass die filmsprachlichen Mittel gar nicht erkannt werden. Sogenannte Literal Videos können helfen, die typischen Gestaltungsmittel wahrzunehmen. Dabei wird der Originaltext durch eine Beschreibung der Bild-Inhalte des Videos ersetzt. Das ergibt zuweilen sehr witzige und für die jeweiligen Genres entlarvende Effekte.

Weitere Beispiele:
Bonez MC & Raf Camora - Palmen aus Plastik: Literal VideoOriginal
Total Eclipse of the Heart: Literal VideoOriginal
Take on me:  Literal Video  Original

Auftrag

Betrachte eines der obenstehenden Literal Video und notiere dir typische Gestaltungsmittel für das entsprechende Musikgenre. Vergleiche nun deine Beobachtungen mit weiteren Musikvideos der selben Musikrichtung. Fallen dir noch weitere Elemente auf?

Vielleicht wäre das eine Idee für ein eigenes Videoprojekt, oder nicht? Bei der Veröffentlichung mit der Originaltonspur sind allerdings urheberrechtliche Konsequenzen zu erwarten…


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